Klimapolitik braucht Kommunikation – vor allem muss sie gerecht und transparent sein
Vergangene Woche hat Carel Mohn pointiert herausgearbeitet, dass es der Klimakommunikation der Bundesregierung bislang an einer gemeinsamen strategischen Klammer fehlt und obwohl Klimaschutz ein emotional besetztes Thema ist, im technokratischen Silodenken entwickelt und kommuniziert wird. Rita Schwarzelühr-Sutter antwortet darauf als Mitglied der Bundesregierung – und macht deutlich: Klimakommunikation ist auch deshalb komplex, weil wir als Staat, Verwaltung und Gesellschaft Neuland betreten. Wir erleben viele Prozesse tatsächlich „zum ersten Mal“. Klimapolitik braucht folglich ein System, das sich im Dialog entwickelt, lernfähig bleibt, Kurskorrekturen zulässt und die Lebensrealität der Menschen ernst nimmt.

In seinem Text beschreibt Carel Mohn, warum Klimakommunikation heute so herausfordernd ist. Klimaschutz berührt Menschen unmittelbar. Den einen ist es immer viel zu wenig Klimaschutz, den anderen ist er reine Ideologie. Das schürt Ängste. Werte und Gewohnheiten sind berührt, für manche attackiert. Das ruft Emotionen hervor, die weit über technische Fragen hinausgehen. Mohns Analyse teile ich weitgehend. Aber als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) möchte ich einen Gedanken besonders hervorheben: Ich erlebe jeden Tag, dass Kommunikation nur dann wirkt, wenn Politik zugleich nachvollziehbar, verlässlich, fair und ehrlich bleibt.
Klimapolitik ist ein Vertrauensprojekt – das nehme ich sehr ernst
Ich erlebe in Gesprächen, Sprechstunden und Dialogformaten immer wieder: Menschen zweifeln nicht an der Realität des Klimawandels. Sie zweifeln manchmal daran, ob die Politik bei vorgeschlagenen Maßnahmen ihre Lebenssituation und ihre Belastungsgrenzen wirklich sieht. Deshalb ist es für mich zentral, Vertrauen nicht allein durch Worte aufzubauen, sondern durch solides, nachvollziehbares Handeln. Ich will, dass Menschen erkennen: Wir lassen sie nicht allein – weder mit Kosten noch mit Unsicherheiten.
Kommunikation muss dort ansetzen, wo das Leben stattfindet
Ich komme selbst aus der Kommunalpolitik und weiß: Klimapolitik funktioniert nur, wenn sie sich an den Fragen orientiert, die Menschen konkret bewegen. Wie teuer wird das für mich? Kann ich meine Heizung weiter nutzen? Wie komme ich täglich zur Arbeit? Was bedeutet das für meinen Arbeitsplatz?
Wenn ich heute über Klimapolitik spreche, dann versuche ich immer, diese Perspektiven mitzudenken. Gute Kommunikation kann viel, aber sie braucht politische Antworten, die tragfähig und alltagsnah sind. Ohne sie kann ich niemanden überzeugen. Es geht nicht um Kommunikation um der Kommunikation wegen.
Deshalb unterstützen wir im BMUKN gezielt die Kommunen bei der Klimaanpassung – etwa mit dem Förderprogramm „Anpassung an den Klimawandel in sozialen Einrichtungen“ oder mit der neuen Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung. Das bedeutet ganz konkret: Hitzeschutz an Schulen, Kühlung in Pflegeeinrichtungen, Hochwasservorsorge in Städten und Gemeinden. Genau dort, wo Menschen täglich leben.
Frühe Beteiligung ist für mich unverzichtbar
Ich stimme Carel Mohn zu: Kommunikation darf nicht der letzte Schritt sein. Aber ich gehe noch weiter. Für mich beginnt gute Klimapolitik damit, Bürgerinnen und Bürger, auch Wirtschaft und Unternehmen zu beteiligen. In vielen Projekten, ob bei der Wärmeplanung oder beim Ausbau erneuerbarer Energien, setze ich mich dafür ein, dass Menschen früh einbezogen werden – nicht nur informiert. Ich erlebe, wie sich Diskussionen entspannen, wenn Sorgen ernst genommen und Alternativen gemeinsam diskutiert werden. Das schafft Akzeptanz, die man nicht nachträglich herbeikommunizieren kann.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Aufstellung kommunaler Hitzeaktionspläne: In vielen Städten werden Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Sozialverbände und Bürgerinitiativen frühzeitig einbezogen. So entsteht nicht nur ein Papier, sondern ein praktisch tragfähiges Schutzkonzept für die Menschen vor Ort. Genau diese Form der Beteiligung macht Klimapolitik glaubwürdig.
Klimapolitik darf kein Kulturkampf sein – davon bin ich überzeugt
Ich sehe mit Sorge, wie schnell technische Lösungen zu politischen Symbolen werden. Wärmepumpen, E-Autos – vieles wird zu einer Frage von Identität verklärt. Ich halte das für gefährlich. Wenn wir über Technologien reden, müssen wir über ihren Nutzen, ihre Kosten und ihre Machbarkeit sprechen – nicht über vermeintliche Weltanschauungen.
Ich setze mich deshalb bewusst für eine Debatte ein, die Lösungen in den Mittelpunkt stellt, nicht Lager. Es gibt immer verschiedene Wege zum Ziel, und über diese Wege muss man pragmatisch diskutieren können, auch ringen.
Genau deshalb stärken wir im BMUKN gezielt Programme, die Entlastung mit Klimaschutz verbinden – etwa das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, mit dem Kommunen, Landwirte und Verbände konkret beim Moorschutz, bei der Renaturierung von Auen oder bei der Begrünung von Städten unterstützt werden. Das zeigt: Klimaschutz schafft nicht nur CO₂-Minderung, sondern auch Lebensqualität vor Ort.
Die Praktikerinnen und Praktiker brauchen unseren Rückhalt
Tausende Fachkräfte in Kommunen und Behörden tragen den Klimaschutz jeden Tag. Ich begegne ihnen regelmäßig – und ich weiß: Sie sind oft die Ersten, die Kritik abbekommen, und die Letzten, die sichtbare Anerkennung bekommen. Deshalb ist es mir wichtig, ihnen den Rücken zu stärken. Sie brauchen klare Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und politische Unterstützung. Und sie brauchen eine öffentliche Debatte, die ihre Arbeit würdigt, statt sie zum Spielfeld für Empörung zu machen.
Mit neuen Förderprogrammen, vereinfachten Antragsverfahren und langfristigen Finanzierungszusagen – etwa in der Klimaanpassungsförderung – versuchen wir genau diese Planungssicherheit herzustellen. Denn gute Kommunikation nützt nichts, wenn die praktische Umsetzung vor Ort überlastet wird.
Eine neue Phase der Klimapolitik verlangt ehrliche Perspektiven – das fordere ich ein
Wir erleben derzeit tiefgreifende Umbrüche: geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten, eine zunehmende Polarisierung und den Aufstieg populistischer und rechtsextremer Kräfte, die gezielt Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben. In dieser Lage dürfen wir keine einfachen Wahrheiten versprechen, wo es sie nicht gibt. Gerade jetzt braucht Klimapolitik politische Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und eine Sprache, die die Realität nicht beschönigt
Wir müssen offen sagen, was schnell geht – und was Zeit braucht. Wo Fachkräfte fehlen. Wo Infrastruktur erst geschaffen werden muss. Welche Belastungen wir abfedern können. Und wo wir Erwartungen dämpfen müssen, damit Glaubwürdigkeit nicht verloren geht. Denn wer in Zeiten der Verunsicherung falsche Sicherheiten verspricht, spielt den Populisten in die Hände.
Gerade beim Thema Anpassung an Hitze, Trockenheit und Starkregen wissen wir: Nicht alles lässt sich kurzfristig lösen. Deiche, Schwammstadt-Konzepte oder Renaturierung brauchen Zeit, Geld und qualifiziertes Personal – und genau das müssen wir offen benennen, auch wenn es unbequeme Wahrheiten sind.
Für mich ist Ehrlichkeit kein Zeichen von Schwäche, sondern von Respekt gegenüber den Menschen – und eine Voraussetzung dafür, dass demokratische Klimapolitik auch in schwierigen Zeiten trägt.
Klimapolitik gelingt nur mit Verantwortung und Transparenz
Kommunikation ist ein wichtiges Instrument – keine Frage. Aber ich habe gelernt: Entscheidend ist die Glaubwürdigkeit des politischen Handelns. Wenn wir erklären, was wir tun, warum wir es tun und was es für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet, schaffen wir die Grundlage für Vertrauen. Und Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, dass Klimapolitik nicht spaltet, sondern trägt und verbindet.
Ich möchte, dass Klimapolitik verständlich ist, verlässlich bleibt und realistische Perspektiven eröffnet.
Das ist mein Anspruch an mich und mein Netzwerk Berlin – politisch, kommunikativ und persönlich.
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