Dr. Braesemann beschreibt sehr anschaulich, wie unglaublich komplex der Wohnungsmarkt geworden ist. Vieles davon erlebe ich täglich, wenn ich mit Bürgerinnen und Bürgern spreche, mit Handwerksbetrieben, mit kommunalen Verantwortlichen oder Wohnungsunternehmen. Und ja: Die Probleme liegen nicht an einem einzigen Hebel. Es ist ein ganzes Geflecht, das dafür sorgt, dass Bauen zu langsam, zu teuer und zu kompliziert geworden ist.
Genau deshalb verändern wir das System und zwar dort, wo es am stärksten klemmt: beim Genehmigen, beim Bauen selbst und bei den Abläufen zwischen allen Beteiligten. Mit dem Bau-Turbo, dem Gebäudetyp E und der Digitalisierung schaffen wir eine systemische Grundlage dafür, dass endlich wieder deutlich mehr Wohnraum entsteht.

Bau-Turbo: Ein mutiges Instrument zur Planungsbeschleunigung
Wenn ich mit Bauämtern vor Ort spreche, höre ich immer wieder: „Wir wollen schneller sein.“ Zu viele Prüfungen, zu viele Doppelstrukturen, zu viele Detailvorschriften, gerade wenn es darum geht, einen Bebauungsplan aufzustellen. Genau da setzt der Bau-Turbo an.
Wir geben den Kommunen ein Werkzeug in die Hand, mit dem sie Verfahren auf drei Monate statt durchschnittlich fünf Jahre verkürzen können. Das heißt: klarere Regeln, feste Fristen, mehr Vertrauen in die Fachleute, die planen, und in die Kommune vor Ort.
Denn am Ende weiß die Kommune am besten, wo neue Wohnungen entstehen können. Ich will keine weiteren endlosen Debatten. Der Bau-Turbo ist ein echter Game Changer. Wir reden nicht mehr nur über Beschleunigung, wir machen sie.

Gebäudetyp E: Weniger Vorschrift, mehr Ermöglichen
Fast jede Unternehmerin, Architekt und/oder Wohnungsunternehmen sagt mir dasselbe: „Wir müssen runter mit den Kosten beim Bauen.“ Und das stimmt. Deutschland hat sich über Jahre in einem Dickicht aus Detailanforderungen verrannt. Wir wollen gute, sichere Gebäude, aber müssen wir dafür wirklich immer mit dem höchsten Standard bauen, selbst bei ganz einfachen Wohngebäuden?
Der Gebäudetyp E macht Planen und Bauen einfacher, kostengünstiger und schneller. Durch ihn werden die gestiegenen Baustandards zurückgeschraubt. Auf Schnick Schnack, wenn er nicht unbedingt notwendig ist, kann verzichtet werden. Dabei wird nicht an Brandschutz oder Sicherheit gespart. Stattdessen werden überflüssige Standards reduziert, zum Beispiel auf eine Heizung im Treppenflur oder auf eine mechanische Lüftungsanlagen.

Digitalisierung: Vom Papier zum digitalen Bauwesen
Es kann nicht sein, dass wir als Industrienation Weltmeister im Maschinenbau sind, aber beim Bauantrag teilweise noch mit CD-ROMs arbeiten. Ich war selbst Gründerin. Ich weiß, wie frustrierend es ist, wenn Abläufe unnötig kompliziert sind. Deshalb treiben wir die Digitalisierung des Bauens mit voller Kraft voran.
Beim digitalen Bauantrag: Bund und Länder haben sich hier auf gemeinsame Standards geeinigt. Der digitale Bauantrag bedeutet weniger Papier, weniger Wege, weniger Wartezeiten und einheitliche Datenstandards für ganz Deutschland. Bereits 13 der 16 Bundesländer nutzen ein einheitliches System für den digitalen Bauantrag, das unter Federführung von Mecklenburg-Vorpommern als Nachnutzungsmodell „Einer für Alle“ (EfA) entwickelt wurde. Das macht Bauen nicht nur schneller, sondern auch vorhersehbarer und genau das brauchen Investoren, Kommunen und Bauherren.
Und jetzt arbeiten wir daran, dass mit Building Information Modeling (BIM) alle am selben digitalen Modell arbeiten – Behörden, Architekturbüros, Bauunternehmen. Fehler werden sichtbar, bevor sie teuer werden. Umbauten lassen sich besser planen und Nachträge werden seltener. Das ist kein Zukunftsthema mehr, das ist unser Standard. Mit dem BIM-Portal des Bundes überwinden wir Barrieren und erleichtern die Digitalisierung. Jetzt müssen wir nur dafür sorgen, dass es auch flächendeckend angenommen wird.

Systemisch denken – pragmatisch handeln
Ich stimme Dr. Braesemann zu, wenn er sagt, dass wir nicht an Symptomen herumdoktern dürfen. Eine Wohnungspolitik, die nur reagiert, wird den Markt nicht stabilisieren. Und wir müssen dafür sorgen den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Deswegen bin ich auch skeptisch, was die Idee eines Zertifikatehandels für Flächennutzung angeht. Nicht nur auf Grund des enormen Verwaltungsaufwandes, auch aufgrund der Komplexität, die damit einhergeht, denn im Moment wollen wir Wohnraum schaffen vor allem einfacher machen.

Abschließend: Gute Ideen werden im Team entwickelt. Ich freue mich, dass das Netzwerk die Debatte mit Wissenschaft und Zivilgesellschaft führt und solchen innovativen Ansätzen eine Debattenplattform bietet.

Wir brauchen Lösungen, die das ganze System verbessern, und genau das tun wir. Als Ministerium beschleunigen wir mit dem Bau-Turbo, wir vereinfachen mit dem Gebäudetyp E, wir digitalisieren mit dem digitalen Bauantrag und BIM.
Das ist systemische Wohnungspolitik, aber eben bodenständig, handfest und machbar. Unser Ziel ist klar: Mehr Wohnungen, damit Mieten wieder bezahlbar werden Wir packen das an, ganz konkret, für die Menschen, die jetzt eine Wohnung brauchen.

Kommentare

Eine Antwort zu “Game Changer Bau-Turbo”

  1. Mateo Merle (AFA Reinickendorf Vorsitzender)14.01.2026

    Sehr interessante Ausführungen. Das Thema werde ich definitiv weiter verfolgen und ich freue mich auf neue Beiträge

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