Pressemitteilung des Netzwerks Berlin:

Generation Praktikum: Nein danke! – Bundestag soll mit gutem Beispiel vorangehen

30.03.2007 - Klaas Hübner, Christian Lange und Andrea Nahles stellen ihre gemeinsame Initiative zur Regelung und Bezahlung von Praktikantenstellen in Abgeordnetenbüros vor: „Generation Praktikum“ geht uns alle an, deshalb haben sich jüngere Abgeordnete der SPD ströhmungsübergreifend dieses Themas angenommen. Immer häufiger werden Stellen für Berufsanfänger, aber auch für Hochschulabsolventen, unbezahlt oder mit nur sehr geringer Entlohnung als sog. „Praktikantenstellen“ ausgeschrieben. Dabei handelt es sich oftmals um regelrecht längerfristig angelegte Vollzeitstellen ohne oder mit nur sehr geringer Bezahlung.

Gerade gut ausgebildete und hoch motivierte Berufseinsteiger dürfen nicht durch Ausbeuter-Jobs unter dem Deckmäntelchen eines „Praktikums“ verheizt werden. Gleichzeitig leiden darunter erfahrene Stellenbewerber, die gegen die Dumping-Konkurrenz im Praktikantestatus kaum ankommen. Ein Zugang zu Jobs ohne Praktikum wird so immer unwahrscheinlicher.

Angestoßen durch die gemeinsame Initiative Fairwork e.V. und der DGB-Jugend – mit dem Ziel, Praktikanten umfassend über ihre Rechte zu informieren und für einen fairen Umgang mit Berufseinsteigern zu werben – hat sich auch der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags mit den Nöten von Scheinpraktikanten befasst. Die öffentliche Beratung der Petitionen zur "Stellung von Hochschulabsolventen in Praktika" am 26.03.200 hat unsere Haltung bestätigt. Über 100.000 Unterstützer von zwei Petitionen, die aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung und der Freien Universität Berlin, sowie zahlreiche Erfahrungsberichte: all das macht hinreichend deutlich, dass es neben vielen sinnvollen und fairen Praktika auch so genannte Scheinpraktika gibt, in denen Absolventen als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Deshalb wollen zumindest wir jungen Abgeordneten der SPD als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen und derartiger Ausbeutung einen Riegel vorschieben.

Praktika im klassischen Sinne des Wortes sind sinnvoll, wenn junge Menschen für einen begrenzten Zeitraum die Chance haben, sich in einen Beruf hineinzulernen und hineinzudenken. Das wollen wir weiter unterstützen. Dazu gehört für uns eine klare Regelung durch einen Praktikantenvertrag über Rechte und Pflichten des Praktikanten – wie auch über die des Arbeitgebers - eine klare Aufgabenbeschreibung sowie eine eindeutige kurzzeitige Befristung der Stelle. Eine Aufwandentschädigung ist im Praktikantenvertrag ebenfalls geregelt.

Wir wollen echten Praktikanten eine Chance geben. Der sog. „Generation Praktikum“
erteilen wir eine klare Absage!